„Barrierefrei ist obercool“

Kornelia_Grundmann

Manchmal ist es das Leben, das für uns entscheidet, welchen Weg wir zu wählen haben. Wenn auch auf erschreckende Art. Es war 2001, als die gebürtige Wiesbadnerin Kornelia Grundmann die Diagnose „Multiple Sklerose“ erhielt. Mit Gehhilfen meisterte sie vorerst noch ihren Alltag. Eine zweite Hiobsbotschaft sollte ihr Leben jedoch nachhaltig verändern: 2006 verstarb ihr 19jähriger Sohn. Der Schock und die psychische Belastung verschlechterten ihre MS-Symptome, so dass sie seitdem auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Was sie seitdem in ihrem Alltag und auf ihren Reisen erleben musste, ließ in ihr den Entschluss reifen, sich für ein barrierefreies Österreich zu engagieren. „Heute können Autos schon selbständig einparken, nur ich kann in vielen Restaurants oder Hotels nicht auf die Toilette gehen. Das ist doch ein Albtraum.“

Daher gründete die Diplom-Ingenieurin vor vier Jahren gabana, die Agentur für ganzheitliches, barrierefreies & nachhaltiges Management. Zusammen mit ihrem Mann, dem Architekten Ralf Grundmann, berät sie, die früher selber als Architektin tätig war, die österreichische Bauwirtschaft und Tourismusbranche. Beide profitieren von ihren langjährigen Erfahrungen in den USA, Australien und Fernost sowie ihrem umfassenden Netzwerk in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien.

Aus einer persönlichen Betroffenheit und dem tiefsten Herzenswunsch, etwas für mobilitätseingeschränkte Menschen zu tun, entwickelte sich in Tirol seitdem ein wahres Kompetenzzentrum in Sachen Barrierefreiheit.

„Durch den Aufbau von strategischen Allianzen mit engagierten zukunftsorientierten Menschen haben wir rund um das Thema Barrierefreiheit sehr interessante Angebote ausgearbeitet“, sagt Kornelia Grundmann. Im Bereich „Tourismus für Alle“ bietet gabana in Kooperation mit der Deutschen Bahn, den Österreichischen Bundesbahnen und den touristischen Partnern mit ihrem neuen Projekt „BARRIEREFREI Austria“ attraktive touristische Angebote der schönsten Regionen Österreichs - für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Familien mit Kindern oder all denjenigen, die den Lebenskomfort schätzen.

„Die Hälfte aller Tiroler Gäste kommt aus Deutschland. Allein in Deutschland haben 9,6 Millionen Bundesbürger eine amtlich anerkannte Behinderung, 1,6 Millionen sind Rollstuhlnutzer. Rund 40 Prozent von ihnen hätten physisch und finanziell die Möglichkeit, zu reisen, sofern sie zuverlässige Angebote kennen würden. Und wir haben in Österreich schließlich Hammer-Destinationen, die können wir doch niemanden vorenthalten“, sagt die gabana-Gründerin.

Außerdem habe Barrierefreiheit bitte schön nichts mit dem Stallgeruch von Pampers für Ältere und den architektonischen Charme von Kühlräumen gemeinsam. Nur weil jemand mobilitätseingeschränkt ist, hieße das ja nicht, dass er damit automatisch seine Freude an den schönen Dingen des Lebens verloren hätte. „Mick Jagger und Keith Richards sind mittlerweile über 70 Jahre. Glaubt denn wirklich jemand, die Jungs würden etwa nach einer eventuellen Hüft-OP ihren Lifestyle ablegen?“

Barrierefreiheit als Lifestyle. Damit hat Kornelia Grundmann einen völlig neuen Zeitgeist aus der Flasche gelassen. „Barrierefrei ist obercool“, sagt sie resolute Wahltirolerin. „Sowohl im Hotelbereich als auch im privaten Umfeld legen wir Wert darauf, dass bei den von uns entwickelten Produkten sowie den Beratungen Design, Funktion und Preis im Einklang stehen und dem Nutzer den höchsten Komfort bieten.“